Verfasst von: AmZ | August 5, 2010

Moderne Frauengesundheit

Moderne Frauengesundheit

Wie „Frau“ ihr Intimleben pflegt und gesund hält

Sonne, Wasser, Ferienzeit-wer kennt nicht jene Lebenslust? Das tolle Körpergefühl kann aber schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn quälende r Juckreiz im Intimbereich, Brennen, Rötung und weißer Ausfluss einhergehen.

Die Scheide ist ein Organ mit Abwehrfunktion!

Die Scheide ist immer in geringem Ausmaß von krankmachenden Bakterien und Pilzen besiedelt, was mit ihrer Nähe zum Darmausgang zusammenhängt; zusätzlich werden beim Geschlechtsverkehr Keime übertragen. Ihr Wachstum wird jedoch durch ein spezielles Abwehrsystem in Grenzen gehalten. So besteht die gesunde Scheidenflora aus Laktobazillen (Döderlein-Flora genannt), die bei der geschlechtsreifen Frau in großen Mengen vorkommen und hormonabhängig Milchsäure produzieren. Durch das saure Milieu und die Bildung von Wasserstoffperoxid hemmen sie die Vermehrung der krankmachenden Keime. Durch den perimenstruellen Östrogenabfall oder eine Antibiotikatherapie, die zu einer Abnahme der Laktobazillen führt, wird das saure Milieu gestört, und eine Scheidenentzündung (Kolpitis) ist eher möglich. Eine Scheidenentzündung ist die häufigste Ursache weshalb eine Frau die frauenärztliche Praxis aufsucht. Das Beschwerdebild ist charakterisiert durch Ausfluss aus der Scheide, Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr.

Bei wässrig-blutigem und übel riechendem Ausfluss muss differentialdiagnostisch auch an eine bösartige Neubildung gedacht werden und diese durch eine Untersuchung ausgeschlossen werden. Betroffene fragen sich, wo sie sich angesteckt haben und ob die Entzündung immer wieder kommen kann.

Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

Die klinische Untersuchung

Dabei wird das äußere Genital sowie die Scheide mit sterilen Specula inspiziert (mit gynäkologischen Instrumenten untersucht). Rötungen und Schwellungen der Schamlippen in Zusammenhang mit einem weiß-bröckeligen Ausfluss deuten auf eine Pilzinfektion hin, über riechender schaumiger Ausfluss ist typisch für die Aminkolpitis (entzündliche Michinfektion der Scheide).

Bestimmung des pH-Wertes

Mit Indikatorstäbchen wird der pH-Wert bestimmt, der bei gesunder  Scheidenflora zwischen 4,0-4,6 liegt. Basische Werte deuten auf eine Störung mit Verdrängung der Döderleinflora (normale Scheidenflora) hin.

Mikroskopie

Das Scheidensekret wird auf einem Objektträger mit Kochsalzlösung oder Methylenblaulösung verdünnt und im Mikroskop untersucht. Hier lassen sich die häufigsten Störungen schnell diagnostizieren.

Bakteriologische Untersuchung des Scheidensekretes durch Anlegen einer Bakterienkultur

Juckreiz und Brennen: die Pilzinfektion der Scheide. Hefepilze finden sich bei vielen Gesunden in geringer Keim Zahl auf der Haut und im Darmtrakt, ohne Krankheitssymptome auszulösen. Bei 10% der geschlechtsreifen Frauen ist die Scheide mit Hefepilzen besiedelt und der Anteil steigt bei der Schwangeren. Bei einer Störung des Scheidenmilieus kommt es zur Pilzinfektion, die durch Juckreiz und Brennen charakterisiert ist. Es handelt sich dabei nicht im eine sexuelle übertragende Erkrankung.

Was stört das Scheidenmilieu?

  • Medikamentöse Therapie (Antibiotika, Kortison, Pilleneinnahme)
  • Alkalisierende Einflüsse (Blutung, Scheidenspülung, übertriebene Intimhygiene)- Saures Scheinmilieu gestört
  • Ernährung (zuckerreiche Nahrung)
  • Allgemeine Erkrankung (wie z.B. Diabetes mellitus)
  • Verminderung der Abwehrkräfte (Aids, Stress)

Bei einem neuen Sexualpartner beeinflusst die Umstellung auf ein neues Mikroklima ebenso die Lebensgemeinschaft der Milchsäurebakterien. Wenn „Frau“ das Toilettenpapier in „die falsche Richtung“, also von hinten nach vorne, benutzt, können vermehrt Darmbakterien in die Vagina gelangen. In dieser Situation haben Bakterien und Pilze „leichtes Spiel“. Es entsteht eine Infektion, die man am Juckreiz an den Schamlippen, Brennen an der Scheidenöffnung und einem unangenehmen riechenden Ausfluss erkennt.

Therapie bei Pilzinfektion

Lokalbehandlung mit Antimykotika (kombiniert Scheidenzäpfchen und Creme), das sind Antipilzmittel. Eine Mitbehandlung des Partners ist nicht erforderlich.

Alternative Heilmethoden zur Selbsthilfe, die im Anfangsstadium der Infektion sinnvoll sind beinhalten: Ansäurerung der Scheide mit Jogurthtampons bzw. Waschungen mit sehr verdünnter Essigöllösung (1EL Obstessig auf 1l Wasser). Anschließend Aufbau der Scheidenflora mit Scheidenkapseln (Gynophilus, Döderlein Med).

Wiederkehrende Pilzinfektion

Diese Infektionen treten gelegentlich über Jahre im Abstand weniger Wochen auf. Die klinischen Befunde sind meist wenig ausgeprägt, allerdings besteht eine oft quälende Symptomatik mit Juckreiz und Brennen. Förderliche Faktoren sind ungesunde Ernährung, übertriebene Intimhygiene und Stress.

Übelriechender Ausfluss-die Aminkolpitis

Bei dieser Infektion werden die Laktobazillen durch ein bereits Spektrum an Keimen verdrängt. Der Hauptkeim ist Gardnerella vaginalis. Das die Infektion häufig nach der Menstruation auftritt, dürfte die Alkalisierung des Scheidenmilieus durch Blut verantwortlich sein. Der der Untersuchung fällt ein weißlicher, schaumiger und über riechender Ausfluss auf. Der pH-Wert ist mit 5-5,5 ins basische verschoben. Das mikroskopische Präparat zeigt eine dichte Besiedlung der Epithelzellen mit Bakterienrasen. Therapeutisch stehen die Ansäuerung der Scheide und die Bekämpfung der Bakterien im Vordergrund. Eine Partnerbehandlung ist auch dieser Infektion nicht sinnvoll. Nach abgeschlossener Therapie muss die Laktobazillenflora wieder hergestellt werden (Gynophilus oder Döderlein Scheidenkapseln)

Sexuell übertragene Genitalinfektionen (Mitbehandlung des Partners erforderlich!)

  • Trichomonaden
  • Chlamydien
  • Gonokokken
  • Lues

Maßnahmen um die Gesundheit im Genitalbereich zu erhalten

  • Keine übertriebene  Intimhygiene, keine Vaginalspülung
  • Keine Duschgels oder parfümierten Seifen verwenden (pflegende Ölbäder, michlsäurehaltige Pflegeschaum)
  • Fetten der Haut im Anal-und Vulva (=Schamlippen) Bereich nach dem Waschen (Deumavan)
  • Verwenden von Baumwollwäsche, keine enge Kleidung
  • Nur luftdurchlässige Slipeinlagen verwenden
  • Zuckerarme Ernährung (reduziert Pilzbefall im Darm)
  • Nach Antibiotikatherapie Aufbau der gesunden Scheidenflora mit Laktobazillen (Scheidenkapseln)

© Text Copyright von Frau PD Dr. med. Marit Holzapfel-Bauer


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