Verfasst von: AmZ | Februar 9, 2010

Frauengesundheit

Neueste Ansätze in der Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung obliegt nach wie vor den Frauen. Wenige Ausnahmen bestehen. Wenn Sie seit Jahren mit der gleichen Methode verhüten, lohnt es sich aber einmal einen Blick auf neue Produkte zu werfen.

Der Name Carl Djerassi ist in die Medizingeschichte eingegangen: Dieser in Wien geborene Biochemiker hat es gsechafft. Seine „Erfindung“, nämlich die Synthese eines Hormons, das den Eisprung unterdrückt, wurde 1957 in den USA zugelassen und ermöglichte ein neues Frauenbild. Dank der Pille blieb seither Millionen von Frauen eine ungewollte Schwangerschaft „erspart“. Mittlerweile ist die Pille ein Klassiker, der allerdings permanent weiterentwickelt wird.

Die Pille

Die Pille besteht aus einem Östrogen (im Allgemeinen das künstliche Östrogen Ethinylestradiol) und einem Gestagen (Gelbkörperhormon),und imitiert den weiblichen Zyklus, allerdings ohne Eisprung! Sie ist seit Beginn der 60er Jahre verfügbar und hat im Laufe der Zeit eine Reihe von Entwicklungsphasen durchgemacht. So wurde im Laufe der Zeit einerseits der Ethinylestradiol-Gehalt der Pille laufend reduziert, andererseits kommen zunehmend innovative Gestagene zum Einsatz. Deshalb sind auch heute unangenehme Begleiterscheinungen wie Brustspannen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen deutlich seltener. Nun die Entwicklung geht weiter, so gibt es neuerdings Pillen, die statt dem synthetischen Ethinylestradiol Östrogen (Östradiol) enthalten bzw. schon seit einiger Zeit überhaupt Östrogenfreie Pillen; diese enthalten nur Gelbkörperhormon.

Ärztliches Beratungsgespräch

Ob Kombinationspräparat oder Gestagen-only Pille, ein Beratungsgespräch mit FachärztInnen ist vor Pillenverschreibung unerlässlich. Neben der Erhebung der Krankengeschichte, also der Anamnese, ist auch eine gynäkologische Untersuchung obligat. Bei der Auswahl der für die jeweilige Frau optimalen Pille sind dann einerseits medzinische Überlegungen, andererseist persönliche Wünsche der Frau zu berücksichtigen. Im Einzelnen kommt nämlich dem in der jeweiligen Pille verwendeteten Gelbkörperhormon neben der Unterdrückung des Eisprungs auch ein so genannter Zusatznutzen zu: So wirken bestimmte Gelbkörperhormone besonders gegen Haarausfall, Akne, Flüssigkeitsansammlungen im Körper oder auch gegen Schmerzen bei der Regelblutung.

Alternativen

  • Hormonpflaster

Das Hormonpflaster ist ungefähr 20 cm² groß und wird auf die Haut aufgeklebt. Es enthält die gleichen Wirkstoffe wie die Pille. Die Hormone werden allerdings über die Haut aufgenommen und verhindern auf diese Weise den Eisprung. Das Verhütungspflaster wird 1 mal pro Woche gewechselt (insgesamt 3 mal pro Zyklus), danach ist eine Woche Pause, in der auch die Blutung eintritt.

  • Der hormonhaltige Vaginalring

Der Ring besteht aus biegsamen Kunststoff, hat einen Durchmesser von 5 cm und eine Dicke von 4 mm. Es werden die gleichen Wirkstoffe wie bei der Pille abgegeben, womit auch der Ring den Eisprung verhindert. Er wird von der Frau selbst eingesetzt und bleibt drei Wochen in der Scheide. Nach der Entfernung macht man eine Woche Pause, in der auch die Blutung eintritt. Danach wird ein neuer Ring eingesetzt.

  • Die 3-Monats-Spritze

Die 3-Monats-Spritze enthält ein Depot-Gelbkörperhormon das bewirkt, dass der Eisprung ausbleibt. Zu Beginn können unregelmäßige Zwischenblutungen auftreten, außerdem wird „die normale“ Regel mit der Zeit schwächer und bleibt dann ganz aus. Im Gegensatz zu den meisten anderen Methoden dauert es nach dem Absetzen allerdings einige Monate, bis wieder ein normaler Monatszyklus einsetzt und die Möglichkeit besteht, schwanger zu werden.

  • Das Hormonimplantat

Das Implantat ist ein 4 cm langes und 2 mm dickes Stäbchen, das mit örtlicher Betäubung auf der Innenseite des Oberarmes unter die Haut einoperiert wird. Es enthält nur einen Wirkstoff, nämlich Gelbkörperhormon, der für drei Monate reicht. Dieser Wirkstoff verhindert wie die Pille den Eisprung. Die Blutungen werden unregelmäßig bzw. bleiben aus.

  • Die Östrogen-freie Pille

Die Östrogen-freie Pille (Gestagen-only Pille), auch Mini-Pille genannt, enthält nur Gelbkörperhormon und wird täglich, ohne Pause, eingenommen. Sie hemmt die Eizellreifung und den Eisprung, allerdings treten nicht selten Zwischenblutungen auf.

Während die hormonelle Empfängnisverhütung (Pille, Hormonpflaster, Vaginalring, 3-Monats-Spritze und Hormonimplantat) Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat, kommt den sogenannten „Spiralen“ nur eine lokale Wirkung zu.

  • Die Kupferspirale

Die Kupferspirale oder Intrauterinpessar, ist ein kleines T-förmiges Gebilde, das spiralförmig mit einem Silber-Kupferdraht umwickelt ist. Die Kupferspirale wird direkt in die Gebärmutter eingelegt, wo sie etwa 5 Jahre verbleiben kann. Ihre Wirkung ist noch nicht endgültig erforscht, man vermutet, dass sie die Gebärmutterschleimhaut verändert und damit verhindert, dass sich dort eine Eizelle einnisten kann. Im Übrigen bewirkt der Kupfer-/Silber-Gehalt der Spirale, dass die Samenfäden des Mannes in ihrer Befruchtungsfähigkeit eingeschränkt werden. Vorteil der Kupferspirale ist, dass man nicht täglich, wöchentlich bzw. monatlich an die Verhütung denken muss, allerdings ist sie nicht für jede Frau geeignet.

  • Die Hormonspirale

Die Hormonspirale wird genau wie die Kupferspirale in die Gebärmutter eingesetzt und verbleibt dort ebenfalls für 5 Jahre. Sie ist von einem Hormon-Zylinder umgeben, der während dieser Zeit kleinste Mengen vom Gelbkörperhormon abgibt. Wir für die Kupferspirale gilt auch für die Hormonspirale, dass überprüft werden muss, ob sie für den individuellen Fall geeignet ist.

  • Die Sterilisation

Neben reversiblen Möglichkeiten der Empfängnisverhütung – das heißt Methoden die nur zeitlich begrenzt für die Empfängnisverhütung zum Einsatz kommen – gibt es auch die sogenannte „Eileiterunterbindung“. Diese stellt allerdings eine endgültige Methode dar.

Autor:
o.Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter
Universitätsklinik für Frauenheilkunde/AKH Wien, 1090 Wien, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und Gynäkolgische Onkologie


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