Verfasst von: AmZ | Dezember 14, 2009

Probier’s mal mit Gemütlichkeit

Wenn wir uns mit der Psyche des Menschen im historischen Kontext beschäftigen, stellt sich unter anderem die Frage: „Was ist das Besondere an unserer Zeit?“

Nun, unsere Zeit hat eine Reihe von Besonderheiten, sowohl im negativen als auch im positiven Sinne.

Doch eine scheint mir immer wieder besonders auffallend zu sein: Schnelligkeit und damit verbunden der Wunsch nach mehr, höher, größer,…aber leider nicht damit verbunden: Zufriedenheit und das Gefühl glücklich zu sein.

Warum nur?

Tatsache ist, wir leben in einer extrem schnellen Zeit, einer stressigen und uns wahrscheinlich oftmals überfordernden Zeit. Das ist ein Tribut, den wir bezahlen, um als mehr oder weniger erste Generation in einer absoluten Überflussgesellschaft zu leben. Was uns ermöglicht, dass nur ganz wenige von uns (im Vergleich zu weniger begünstigten Ländern) wirklich existentielle Sorgen haben.

Daraus hat sich auch ergeben, dass viele von uns den Sinn ihres Leben darin sehen sich speziell in materieller Hinsicht zu verbessern und Dingen nachzurennen, die man noch nicht besitzt und das artet in einen ganz schönen Stress aus. Denn, wenn wir uns nur an die ersten Schnurlostelephone erinnern: mit ihrer Größe und ihrem Gewicht konnte man sie problemlos zur Selbstverteidigung einsetzen, sie waren quasi die Alternative zum herkömmlichen Nudelholz und seiner zeitweiligen Verwendungsentfremdung. Heute passt ein Handy in eine Zündholzschachtel und ich warte nur mehr darauf, dass es statt mir das Auto lenkt.

Ständig werden neue, höhere Tower gebaut, denn jedes Land will für sich beanspruchen, das höchste Bauwerk zu besitzen. Es werden noch schnellere Autos auf den Markt gebracht, noch bessere Computer, die meist Wochen später schon wieder zum alten Eisen gehören,… und wir hetzen und arbeiten dem ganzen hinterher.

Aber macht es uns zufrieden oder gar glücklich??

Ich denke nicht. Aber was daraus entstanden ist, ist dass wir auch in einer Gesellschaft leben, in der ein wahrer Beratungsboom entstanden ist. Wir brauchen für ganz basale und instinktive Bereiche unseres Lebens Beratungen.

Wir brauchen Beratungen, die uns bei Problemen helfen, die wir in einer anderen Zeit nicht hätten. Wie Sexualberatung, Mobbing Beratung, Burnout Beratung, Erziehungsberatung, Investmentberatung, Schlafberatung, Entspannungsberatung,…

D.h. für mich, irgendwo im Laufe unserer Entwicklung haben wir was verloren.

Zweifelsohne auch gewonnen, wir haben nämlich gelernt Themen zu enttabuisieren, anzusprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Doch etwas unglaublich Wichtiges ist verloren gegangen: Zeit.

Ich höre immer wieder den Satz: „Ich brauch mehr Zeit für mich.“ – Nein, wir brauchen mehr Zeit für die anderen und uns.

Zeit zu reden, uns mit anderen Menschen auseinanderzusetzen, sie wahrzunehmen, ihnen zuzuhören, echte Gespräche zu führen, Gespräch, die uns zum Nachdenken anregen, wo wir vorher kein Memo lesen müssen oder uns vorbereiten. Gespräche, die zeigen, dass man dem anderen Empathie und Interesse entgegenbringt.

„Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit wirfst du die dummen Sorgen über Bord.“


Vielleicht sollten wir aufhören mit höher, mehr, größer und uns Balus Lied zu Herzen nehmen und ganz gemütlich mehr Zeit mit anderen nutzen, um echte Kommunikation zu erleben und mehr an unserem Leben als Bauwerk arbeiten und weniger am nächsten höchsten Tower.

Vielleicht empfinden wir dann mehr Zufriedenheit, sind glücklicher.

Und wer sich fragt, was Glück ist, dem empfehle ich das Buch von Francois Lelord „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“.

Liebe Grüße Sigrid


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